Kultur,  Tourismus / Freizeit

09.07.2018

Howgh! Buffalo Bill schlug 1891 seine Indianerzelte am Dortmunder Fredenbaum auf

Kaum zu glauben, aber historisch belegt: Vom 13. bis 16. Mai 1891 gastierte Buffalo Bill mit seiner Wild-West-Show im Lunapark im Dortmunder Fredenbaum. Alles zu diesem, für Dortmund außergewöhnlichen Ereignis erfährt der Besucher aktuell in der Ausstellung „Cowboys und Indianer“ (bis 21. Oktober 2018) im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in der Hansastraße. Buffalo Bill und Häuptling Sitting Bull waren übrigens nur in den Shows in den USA und Kanada vereint. In seinen Inszenierungen stellte Cody die legendäre Schlacht am Little Big Horn nach, die mit Beginn der Vorführungen erst vier Jahre zurücklag. Der Sioux-Häuptling Sitting Bull hatte die Schlacht mit Crazy Horse und Häuptling Gall angeführt, in der General George Armstrong Custer bekanntlich sein Leben ließ. Buffalo Bill selbst war nicht in die Kampfhandlungen am 25. Juni 1876 verwickelt.

Große Buffalo-Bill Europa-Tournee 1889

Die Europa-Tournee der Show hatte 1889 mit der Weltausstellung in Paris begonnen. Sie führte über verschiedene Stationen in Frankreich und Spanien nach Italien, über die Alpen nach Österreich-Ungarn und schließlich ins Deutsche Reich.

„Buffalo Bill’s Wild West unter der Leitung des Obersten W.F. Cody (Buffalo Bill), früher Pfadfinder der Vereinigten Staaten-Armee“, ist auf dem Ankündigungsplakat von 1891 für Dortmund zu lesen. 200 Indianer, Cowboys, Pfadfinder, Scharfschützen und Reiter hatte Cody für seine Show zusammen getrommelt. 175 Ponies, Maultiere, wilde Pferde und Büffel komplettierten diesen Zirkus.

„Täglich zwei Vorstellungen“ versprach der Veranstalter. „Bei jeder Witterung, nachmittags 2 1/2 Uhr, abends 7 1/2 Uhr – mit brillanter Beleuchtung.“


schwarz-weißes Veranstaltungsplakat von Buffalo Bill's Show in Dortmund 1891

Veranstaltungsplakat: Buffalo Bill gastierte vier Tage im Mai 1891 in Dortmund. Der Vorverkauf lief übrigens über Heinrich Ruhfus...

Foto der Ausstellung: raumgreifende Inszenierung von Buffalo Bills Arena, in der die Wild-West-Helden von damals auftreten, darunter auch der bekannte deutsche Show-Cowboy Billy Jenkins und mehrere wilde Indianer

In der Ausstellung erwartet die Besucher gleich zu Beginn eine raumgreifende Inszenierung von Buffalo Bills Arena, in der die Wild-West-Helden von damals auftreten, darunter auch der bekannte deutsche Show-Cowboy Billy Jenkins. 

Kriegsgefangene Indianer mit Erlaubnis auf Tournee

Und was erwartete den Besucher?

„Große Indianer Gefechtsszenen, Varietäten, wilde Pferde und Vorführungen von Szenen aus dem westlichen Grenzleben.“ Dass Buffalo Bill mit „100 wilden Indianern, welche am letzten Aufruhr beteiligt waren und Kriegsgefangene wurden“, überhaupt auf Tournee gehen konnte, war der „besonderen Erlaubnis des Gouvernements der Vereinigten Staaten“ zu verdanken. Howgh!

Dass die Leidenschaft der Deutschen für den amerikanischen Wilden Westen ausgerechnet in Dortmund in der großartigen Ausstellung im MKK thematisiert wird, hat somit lokalgeschichtlichen Bezug: Die Auftritte von Buffalo Bill und seiner Show, die ab 1890/91 durch 24 deutsche Städte tourte, fachten die Begeisterung für Cowboys und Indianer, Freiheit und Abenteuer auch in der wachsenden Industriestadt an. Waghalsige Reitkünste, eine inszenierte Büffeljagd sowie ein Postkutschenüberfall mit Indianergeheul hinterließen einen nachhaltigen Eindruck. Davon zeugen u.a. historische Zeitungsausschnitte und Fotos, die Museumsdirektor Dr. Jens Stöcker und sein Team zusammengetragen haben.


Kein Geschäft mit dem Wilden Westen

Die Eintrittspreise bewegten sich von einer Mark (Sitzplätze) bis vier Mark unter den bedeckten Tribünen. „Buffalo Bills 'Wild West' hat hier bei seinen Vorstellungen täglich rund 5000 M eingenommen, im ganzen also an den vier Tagen 20.000 M.

"Mehr als die Kosten sind dadurch kaum eingekommen. Wenn auch das kalte, regnerische Wetter am Samstag den Besuch erheblich beeinträchtigt hat, so würde die Gesellschaft doch erheblich bessere Geschäfte gemacht haben, wenn die Eintrittspreise nicht so hoch gewesen wären.

Wir haben hier nicht reiche Leute genug, welche in der Lage oder gewillt sind, 4 M für einen Platz zu bezahlen. Auch das Eintrittsgeld für den untersten Platz mit 1 M für die große Masse der Bevölkerung ist zu hoch. Den Betrag von 50 Pf hätte am Ende ein jeder daran gewagt, bei einer Mark, namentlich wenn diese auch für ein Kind gezahlt werden soll, rechnet man schon. Die Gesellschaft wird sich, wenn sie in den mittelgroßen Städten ein Geschäft machen will, zu niedrigeren Sätzen entschließen müssen.“ Das berichtete die Dortmunder Zeitung am 19. Mai 1891 in einer äußerst kritischen Nachbetrachtung.


Foto aus der Ausstellung: Plakate zur Tournee mit den Terminen, Indianern und Cowboys an der Wand und an der Litfaßsäule

Die Wild-West-Show in Dortmund ist auch in Farbe belegt. Mit dem Zug reiste Cody damals aus Köln an. Mehrere hundert Schaulustige hatten sich eingefunden, um dem seltsamen Schauspiel mit „einem Durcheinander von Indianern, Pferden und Büffeln“ beizuwohnen, wie der General-Anzeiger am 14. Mai 1891 schrieb.

Interview mit William F. Cody: „Bitte geben Sie acht, dass Sie nicht getreten werden“

Ergänzend dazu veröffentlichte die Dortmunder Tageszeitung ein Interview mit William F. Cody. Ein Reporter des „Mainzer Tagesblatt“ hatte die Gelegenheit zum Gespräch.
„Nun, Herr Oberst, wie gefällt es Ihnen in unserm Vaterlande?“ war meine erste indiskrete Frage.
„Ausgezeichnet, ganz ausgezeichnet; überall finde ich das größte Entgegenkommen, besonders auch auf Seiten der Militärbehörden. Sehen Sie,“ fuhr er fort, „ich könnte doch unmöglich all diese Arbeiter aus Amerika herüberschleppen, und hier könnte ich die nötige Anzahl tüchtiger Leute nicht immer gleich finden; 50-60 Soldaten helfen mir aus der Not. Und auch diesen wird damit gedient - sie erhielten 35 Pf pro Stunde und ihre Kost.“

Das brachte uns auf das Thema „Kostenpunkt“.
„Well“, sagte er schmunzelnd, „da schreiben Sie ruhig 10 000 M Auslagen durchschnittlich pro Tag und 20 000 Mark Einnahmen.“
 
Dem Erstaunen, das auch Sie, verehrter Leser, ohne Ihrem Schätzungsvermögen zu nahe treten zu wollen, über diese Zahlen empfinden, gab ich unverhohlen Ausdruck. „Das ist ja ungeheuerlich!“ rief ich.
„All right, yes, Sir - aber betrachten Sie das ganze Unternehmen und - rechnen Sie. Täglich ernähre ich etwa 300-350 Menschen, 160 Pferde, 25 Büffel - nebenbei gesagt, die größte noch lebende Herde der Welt, sie sind alle getötet -, habe ungeheure Reise- und Transportkosten, ein sehr kostspieliges Leitungspersonal; auf der andern Seite Plätze für 10.000 Menschen, täglich zwei Vorstellungen. Wir reisen immer so, daß wir nachts an Ort und Stelle sind, morgens frühe mit der Arbeit und nachmittags mit den Vorstellungen beginnen.
Sehen Sie, das ist seit heute früh gethan - er deutete auf die bald beendeten Tribünen. - Was wir bringen, ist eine nie gesehene Neuheit - das bringt uns gefüllte Plätze. Nicht bloß die Neugierde und Schaulust, auch die Lernbegierde findet bei uns ihre Befriedigung. Unsere Tour ist eine kulturhistorische Mission. Doch geben Sie acht, daß Sie nicht getreten werden!'"


Weitere Impressionen aus der Austellung "Cowboys und Indianer" im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte:


Buffalo Bill stieg 1880 ins Showgeschäft ein. Zuvor noch, 1876, nach der Schlacht am Little Big Horn, hatte er sich der US-Armee noch als Kundschafter für einen Rachefeldzug gegen die Indianer zur Verfügung gestellt.

Ein Foto aus der Ausstellung. Es zeigt ein Nachbau der Wüstenlandschaft mit Kakteen und Adlern. Wild-West Atmosphäre

Wild-West-Atmosphäre im MKK. Die Ausstellung Cowboys und Indianer läuft noch bis zum 21. Oktober.

In den Vitrinen ist die Handwerkskunst zusehen. Hier ein Kleidungsstück. Blau mit beigen Fransen.

In Vitrinen zu bestaunen: Handwerkskunst der Indianer

Text / Fotos: Thomas Kampmann