Tourismus / Freizeit

23.10.2018

Gegen das Vergessen: Performance-Künstlerin erinnert an den Platz von Hiroshima in der Dortmunder-Innenstadt

Oft wird er leicht übersehen, der Platz von Hiroshima in der Dortmunder-Innenstadt. Östlich der Probsteikirche wird dem Atombomben-Abwurf auf die Japanische Stadt Hiroshima gedacht, bei dem am 6. August 1945 ca. 200.000 Menschen sofort oder an den Spätfolgen starben. Die Performance-Künstlerin Angelika Thiere würdigte den Platz nun mit einer außergewöhnlichen Inszenierung.

Der vergessene Platz von Hiroshima

Einkäufer, Spaziergänger, Kaffeetrinker gehen an diesem Platz vorbei. Doch die wenigsten beachten die eingegrenzte Ebene, welche dem Platz zentral zu eigen ist - dem Platz von Hiroshima, errichtet im Jahre 2000, den kaum ein Einheimischer oder Besucher Dortmunds kennt.


Alte gotische Dominikanerkirche im Herzen der Dortmunder Innenstadt

Erstens fällt dem aufmerksamen, sensiblen Spaziergänger die sehr, sehr gute Atmosphäre auf, welche den Platz ausfüllt - eine heilige Atmosphäre.

Die alte gotische Dominikanerkirche, deren heiliger Altarraum westlich an den Platz angrenzt, meint der Gläubige als Grund dieser Stimmung zu vernehmen.

Doch selbst diese Kirche, um welche Dortmund herum aufgebaut wurde, kennen nur wenige.

Zwei Bänke und ein paar Kaffeetische laden zum Meditieren ein.

Zweitens fällt der Blick auf das blaue Schild, welches den Platz als jenen von Hiroshima auszeichnet und ihn in Richtung Osten eingrenzt.


Performance-Künstlerin würdigt den Platz mit roten Blumen

Angelika Thiere betet und vollbringt maskiert als strahlender Engel auf der Ebene Rituale, die sowohl der Steinwüste Hiroshimas nach dem Atombombenabwurf 1945 ähnelt als auch ein Massengrab darstellt - mit roter Blume, um wie eine Initiation den Platz so zu würdigen, wie er einst gemeint war - auch als Gedenken an die aktuellen und vergangenen Kriegsschauplätze dieser Erde.

Blick vom Platz Hiroshima auf das große Kirchfenster der Propsteikirche an der Ostsseite.
Die Perfomance-Künstlerin würdigt den Platz mit Blumen und Gebeten
Die Performance Künstlerin inmitten den Platzes. Anmutig würdigt sie den Ereignissen.

Text & Fotos: Martin Speer


Hier liegt der Platz von Hiroshima

An der Ecke Hansastr./Schwarze-Brüder-Straße ist der Platz unmittelbar neben der Propsteikirche St. Johannes Baptist zu finden. 

Die alte Dominikanerkirche liegt südlich des Westenhellwegs und westlich des Hansaplatzes .

Sie ist zwar eine von insgesamt vier innerstädtischen Kirchen Dortmunds, allerdings ist sie innerhalb des Wallrings die einzige katholische Kirche.

Übersichtskarte vom Dortmunder Wall mit Einzeichnung aller Kirchen und Markierung der Probstheikirche

Über die Künstlerin:


Angelika Thiere (geboren 1962 als Deutsche in Australien) ist Fotografin, Malerin und Performancekünstlerin.

In ihrer Arbeit sucht sie immer gesellschaftliche, persönliche und spirituelle Bezüge. Farben und Formen sind ihr dabei wichtig. Dies hat sie auch auf ihre Körperperformance-Darstellungen übertragen. Durch ihre Arbeit versucht sie auch, die im Abseits Stehenden und vergessene Orte einzubeziehen. Mitgefühl ist ihr dabei besonders wichtig.

Aufgewachsen in Solingen, lebt sie seit 2015 in Wuppertal und beobachtet das Ruhrgebiet von außen.

Ein Foto von der Künstlerin Angelika Thiere