Kultur,  Tourismus / Freizeit

20.09.2018

Weltpremiere in Dortmund und Berlin: Voges zeigt Parallelwelt zeitgleich auf zwei Bühnen

Das Berliner Ensemble und das Schauspiel Dortmund eröffneten die Spielzeit 2018/19 am 15. September mit einem völlig neuartigen Projekt: Kay Voges, Intendant des Schauspiel Dortmund, inszeniert die Simultan-Uraufführung von "Die Parallelwelt“ zeitgleich in Berlin und Dortmund.

Zwei Aufführungen, 420,62 km Luftlinie voneinander entfernt, werden zu einer einzigen Inszenierung. Die Protagonisten interagieren über Glasfaserkabel miteinander. Auch der Repertoire-Betrieb läuft immer parallel ab.

Theater ist somit nicht mehr das, wenn an einem Ort zur selben Zeit Menschen anderen Menschen etwas vorspielen…


Theater Dortmund inmitten der Digitalen Revolution

Voges zeigt, dass die Jahrhunderte alte Minimaldefinition der Theaterkunst als Einheit von Zeit und Raum inmitten der Digitalen Revolution nicht mehr haltbar ist.

Riesige Distanzen schrumpfen mittels Glasfaser auf einen Nullpunkt, und Menschen und Maschinen können in Echtzeit alle Arten von Informationen rund um den Globus austauschen.

Die Inszenierung "Die Parallelwelt“ ist ein Experiment, das sich zu eigen macht, dass die zeitgenössische Physik inzwischen davon ausgeht, dass Paralleluniversen mit großer Wahrscheinlichkeit existieren.

Das Stück, das im Untertitel „Eine Simultanaufführung über die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ heißt, stammt von Kay Voges (Intendant am Schauspiel Dortmund), dem Dramaturgen Alexander Kerlin und Eva Verena Müller (ebenfalls Dortmund).


Vor der Premiere in Dortmund wirft das Publikum einen Blick auf den Schauspielort Berlin. Das Publikum sieht sich jeweils auf einer großen Leinwand. Erstaunte Gesicher

Vor der Premiere in Dortmund wirft das Publikum einen Blick auf den Schauspielort Berlin.

Die Bühne ist viergeteilt: Unten spielt sich die Theaterrealität in Dortmund ab, oben sind die Livebilder aus Berlin zu sehen.

Die Bühne ist viergeteilt: Unten spielt sich die Theaterrealität in Dortmund ab, oben sind die Livebilder aus Berlin zu sehen. 

"Die Parallelwelt“ ist die Geschichte eines Lebens, das sich selbst begegnet; eine Erzählung über Fred, in der Geburt und Tod, Kindheit und Alter, Liebe und Abschied einander fremd gegenüberstehen und doch miteinander verbunden sind.

Das Stück geht von der Frage aus: Was wäre, wenn die uns bekannte Welt irgendwo im Universum ein zweites Mal identisch existierte? Und was wäre, wenn durch einen Zufall in der kosmischen Ordnung die eine dieser Welten einen anderen Verlauf nehmen würde und die Gegenwart heimgesucht wird von Geistern der Vergangenheit und der Zukunft. Welche Alternativen hätten wir gehabt? Und gibt es einen Weg, dem Schicksal zu entkommen?


Kay Voges leistet mit der Inszenierung Pionierarbeit in Deutschland. Das Publikum rückt in einer Szene unerwartet in den Focus des Geschehens. Zusehen ist das Hochzeitspaar mit dem Kameramann, mitten im Publikum.

Kay Voges leistet mit der Inszenierung Pionierarbeit in Deutschland. Das Publikum rückt in einer Szene unerwartet in den Focus des Geschehens.

Die Zuschauer in Dortmund sehen, was auf der Bühne geschieht, der Kameramann überträgt die Szene nach Berlin. Hier ist zu sehen wie die braut gefilmt wird und riesig auf der Leinwand erscheint.

Die Zuschauer in Dortmund sehen, was auf der Bühne geschieht, der Kameramann überträgt die Szene nach Berlin.


"Die Parallelwelt" zeigt eine Symbiose aus Theater- und Filmkunst

Kay Voges’ Interesse gilt den künstlerischen Möglichkeiten und Erzählweisen, die die Digitalisierung dem Theater eröffnet.

Nach diversen Multimedia-Performances wie u.a. "Die Borderline Prozession“ (eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2017) und "Das Goldene Zeitalter“ (eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt 2014) entwickelt er "Die Parallelwelt“ gemeinsam mit Alexander Kerlin und Eva Verena Müller einen neuen Theaterabend an der Schnittstelle von Theater und Filmkunst. Die Bühne – identisch in Berlin und Dortmund – stammt von Daniel Roskamp, die Kostüme von Mona Ulrich.

Für die Musik zeichnet der Musiker, Sänger und Komponist T.D. Finck von Finckenstein verantwortlich, der u.a. auch die Musik für "Die Borderline Prozession“ gemacht hat. Für die Videokunst verantwortlich sind Voxi Bärenklau und Mario Simon.


Zu sehen ist das Ensembel. Standing Ovations für das Ensemble aus Dortmund: Andreas Beck, Frank Genser, Bettina Lieder, Uwe Schmieder, Xenia Snagowski, Frederike Tiefenbacher und Merle Wasmuth.

Standing Ovations für das Ensemble aus Dortmund: Andreas Beck, Frank Genser, Bettina Lieder, Uwe Schmieder, Xenia Snagowski, Frederike Tiefenbacher und Merle Wasmuth.

Weitere Termine:

So, 28. Oktober 2018 
Mi, 31. Oktober 2018
Fr, 16. November 2018
Fr, 07. Dezember 2018
Sa, 02. Februar 2019
Sa, 23. Februar 2019
So, 28. April 2019
Mi, 19. Juni 2019


Alle weiteren Informationen zu den Spielzeiten und Tickets gibt es auf der Internetseite vom Theater Dortmund

Theater Dortmund

Mehr zu dem Stück "Die Parallelwelt" im Berliner Ensembel gibt es hier.



Fotos: Thomas Kampmann