Kultur,  Interkulturelle Vielfalt

09.11.2018

"Violinen der Hoffnung" erklingen erstmals in Dortmund

Als „Violinen der Hoffnung“ schicken die beiden Geigenrestauratoren Amnon (Vater) und Avshalom (Sohn) Weinstein seit nunmehr 20 Jahren Geigen zu Konzerten auf der ganzen Welt (u.a. Paris, New York, Cleveland, Berlin). 2015 erklangen die „Violinen der Hoffnung“ während eines Konzerts der Berliner Philharmoniker zum ersten Mal in Deutschland. Jetzt werden 16 der insgesamt 70 Geigen zum ersten Mal in Dortmund zu sehen und zu hören sein.

"Violinen der Hoffnung": Ausstellungen, Konzertabende und bisher einmaliges Schulprogramm


Vom 12. bis 16. November, 80 Jahre nach der Reichspogromnacht, werden die Instrument eine Woche lang in einem umfangreichen Programm präsentiert: in einer Ausstellung (vom 12. - 16.11.) sowie an zwei Konzertabenden (13./14.11.) mit den Dortmunder Philharmonikern im Konzerthaus Dortmund.

Außerdem wird es – bisher einmalig in Deutschland – ein viertägiges Schulprogramm geben. Auch in der Jüdischen Kultusgemeinde, bei Gottesdiensten in den Dortmunder Stadtkirchen St. Johann Baptist (Propstei) und St. Reinoldi sowie bei Konzertlesungen im Orchesterzentrum NRW und in der Technischen Universität Dortmund werden die Geigen erklingen.


"Unsere Geigen bedeuten den Sieg der Menschlichkeit über das Böse und den Hass“

Ihre Geschichten werden von den Projektgründern Amnon und Avshalom Weinstein erzählt. Für Amnon Weinstein und seinen Sohn Avshalom ist ihr Projekt nicht nur eine Art von historischem Gedenken an eine einst verschmähte Kultur und fast vergessene Menschen. Sie sehen in ihm auch eine Möglichkeit zur Begegnung von Menschen verschiedener Herkunft und Glaubensrichtungen, die in einem Konzert zusammenkommen: „Unsere Geigen bedeuten den Sieg der Menschlichkeit über das Böse und den Hass“.


Amnon Weinstein hält eine der Violinen hoch.

Amnon Weinstein in der Restaurationswerkstatt in
Tel Aviv

Der Rücken einer Violine in Nahaufnahme

Nachaufnahme vom Rücken einer Violine. 

Für seine Bemühungen um die interkulturelle Verständigung wurde Amnon Weinstein 2016 die Ernst-Cramer-Medaille der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und das Bundesverdienstkreuz durch den damaligen Außenminister und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier verliehen.

Ehemals gespielt in Auschwitz, Buchenwald und Dachau stehen die Violinen für die leidvolle Geschichte ihrer Besitzer und setzen durch die Musik ein Zeichen der Hoffnung.


Termine "Violinen der Hoffnung"


AUSSTELLUNG "Violinen der Hoffnung“

Montag (12.11.18) bis Freitag (16.11.18), 10 - 18.30 Uhr, sind 16 Violinen im Konzerthaus Dortmund, Brückstraße 21, 44135 Dortmund, zu sehen.


KONZERTE im Konzerthaus Dortmund

Dienstag (13.11.18) und Mittwoch (14.11.18), 20.00 Uhr, Einführung: 19.15 Uhr, 3. Philharmonisches Konzert mit den Dortmunder Philharmonikern, Leitung: Gabriel Feitz, Klavier: Radu Lupuen.


Programm "Violinen der Hoffnung“

Pavel Haas: Scherzo triste op. 5
Der jüdische Komponist (*1899 in Brünn ) wurde 1941 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.


Béla Bartók: Konzert für Klavier und Orchester, Nr. 3 Sz 119
Der ungarische Komponist und Pianist, der den Nationalsozialismus aufs Schärfste
verurteilte, hatte Angst, dass sein Heimatland eine deutsche Kolonie werden könnte. Es trieb Bartók „weg aus der Nachbarschaft dieses verpesteten Landes“ und veranlasste ihn 1940 zur Emigration in die USA.


Anton Bruckner: Sinfonie Nr.9 d-moll
Bruckner war österreichischer Komponist der Romantik, Organist und Musikpädagoge.


Kartenpreise: € 19 | 24 | 30 | 34 | 39 | 42


THEMATISCHE GOTTESDIENSTE in den christlichen Kirchen (mit dem Klezmer-Trio Dortmund)
- Samstag (10.11.18), 18.30 Uhr, Forumsgottesdienst in der kath. Propsteikirche St. Johannes Baptist, Propsteihof 3, 44137 Dortmund
- Sonntag (11.11.18), 11.30 Uhr, Gottesdienst in der Ev. Stadtkirche St. Reinoldi, Ostenhellweg 2, 44135 Dortmund


KONZERTLESUNGEN – "Klingende Zeitzeugen“
Vorträge von Amnon und Avshalom Weinstein, Musik: verschiedene Ensembles,

- Sonntag (11.11.18), 15.00 Uhr, Jüdische Kultusgemeinde Groß-Dortmund e.V., Prinz-Friedrich-Karl-Straße 9, 44135 Dortmund, Musik: Klezmer-Trio Dortmund

- Montag (12.11.18), 17.00 Uhr, Technische Universität Dortmund, Fakultät Kulturwissenschaften/Institut f. Anglistik u. Amerikanistik, George Mc Govern Foyer im Erdgeschoss vor dem Raum 0.406, Emil-Figge-Straße 50, 44227 Dortmund, Musik: Geigen-Ensemble des Studentenorchesters Dortmund

- Donnerstag (15.11.18), 18.00 Uhr, Orchesterzentrum NRW, Brückstraße 47, 44135 Dortmund, Musik: Geigen-Ensemble des Orchesterzentrums NRW.
Bitte Platzkarte über info@orchesterzentrum.de reservieren!


SCHULPROGRAMM

Montag, 12. - Freitag, 16. November: Die beteiligten Schulklassen und Kurse gewinnen durch intensive Vorbereitung und Nachbereitung, durch Vorträge, unmittelbare Anschauung in der Ausstellung und durch ein Kammerkonzert mit den „Violinen der Hoffnung“ einen emotionalen Zugang zu den Themen „Shoah, Erinnerungsarbeit und Einsatz gegen Antisemitismus und Rassismus".

Violinen der Hoffnung


Fotos: Amnon Weinstein und Avshalom Weinstein

Text: Thomas Kampmann