Forschung / Lehre

07.11.2019

Dortmund stärkt Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien

Digitale Medien sind aus der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen kaum mehr weg zu denken. Sie sind Quelle der Unterhaltung und des Wissens. Doch sie bergen auch Gefahren. Um einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien kümmert sich das „Dortmunder Netzwerk Medienkompetenz“ (DoNeM) seit über sieben Jahren. Und ist mittlerweile eines der größten und vielfältigsten Netzwerke zum Thema Medienkompetenz bundesweit. 

Digitalen Jugendschutz in den Fokus rücken

Das „Dortmunder Netzwerk Medienkompetenz“ (DoNeM) hat sich zur Aufgabe gemacht, zahlreiche Akteure auf dem Gebiet der Medienarbeit miteinander zu vernetzen und in einen Austausch rund um das Thema (digitale) Medien zu bringen. Im Fokus stehen dabei die Vermittlung von Medienkompetenz, die Prävention, die digitale Bildung, der Jugendmedienschutz und der digitale Jugendschutz. Die Projekte sind vielfältig: Grundschülerinnen und Grundschüler gestalten gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern im Dortmunder U kreative Medienprojekte, Jugendliche aus der Dortmunder Nordstadt entwickeln eine App für einen virtuellen Stadtrundgang und von der Polizei erfahren Eltern mehr über die Gefahren neuer Medien.

Fachtag: Lesen – Sprechen – Digitale Medien

Nun organisiert das DoNeM am 28. November einen Fachtag, der das Zusammenspiel von Lesen, Sprechen und Medienkompetenz thematisiert. Bei zahlreiche Workshops, Vorträgen und einem Markt der Möglichkeiten geht es um Chancen und Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen im digitalen Zeitalter. Im Vordergrund stehen Fragen wie: Was genau versteht man unter Lese-, Sprach- und Medienkompetenz und wie wirken sie miteinander? Wie können wir Kinder zu einem respektvollen Umgang online und offline unterstützen? Wie können schulische Kurse zur Auseinandersetzung mit medialer Wirklichkeit beitragen? Eine Anmeldung zum Fachtag ist noch bis zum 20. November möglich.

Interview mit Dimitrios Karakatsanis von DoNeM

Dimitrios Karakatsanis ist Referent für Medienkompetenz beim Jugendamt der Stadt Dortmund und leitet das „ZM.i.DO - Zentrum der Medienkompetenz in Dortmund“. Er ist Mitbegründer und Teil des Geschäftsführungsteams von DoNeM und hat für „Dortmund überrascht. Dich“ die wichtigsten Fragen zum Netzwerk und den anstehenden Fachtag beantwortet.


Dimitrios Karakatsanis ©Roland Gorecki

Dortmund überrascht. Dich: Seit wann gibt es das Dortmunder Netzwerk Medienkompetenz und wofür steht es?

Dimitrios Karakatsanis: Das Dortmunder Netzwerk Medienkompetenz steht für ein gemeinsames Engagement, um das gute Aufwachsen mit digitalen Medien zu ermöglichen und Medienkompetenz generationsübergreifend zu fördern. Es wurde 2012 gegründet, nachdem es immer häufiger Anfragen an das damalige Fachreferat Medienkompetenz zum Thema gegeben hat. Auf uns zugekommen sind damals beispielsweise das Gesundheitsamt und die Dortmunder Polizei aber auch die Universität oder besorgte Eltern. Das Thema wurde immer wichtiger und daraus entstand schließlich das Netzwerk. Insbesondere in den letzten drei Jahren hat sich die Zusammenarbeit verstärkt. Mittlerweile wurde ein dreiköpfiges Geschäftsführungsteam gegründet. Neben dem Dortmunder Jugendamt sind nun auch das Gesundheitsamt und die Medienakademie WAM koordinierend für das Netzwerk tätig. Jetzt arbeiten wir gebündelt und mit mehr synergetischen Energien zusammen. Das Netzwerk hat mittlerweile 24 Mitglieder. Es gibt bundesweit zurzeit wahrscheinlich kein anderes Netzwerk dieser Größe, das eine solche Präventionsvielfalt bietet und so viele Mitglieder hat. Wir sind zudem Teil der deutschlandweiten Initiative „Gutes Aufwachsen mit Medien“, die vom Bundesfamilienministerium gefördert wird.


Dortmund überrascht. Dich: Wer ist die Zielgruppe des Netzwerks?

Dimitrios Karakatsanis: Die Problematik der mangelnden Medienkompetenz betrifft die ganze Gesellschaft. Daher sage ich: Unsere Zielgruppe ist generationenübergreifend. Denn es geht eben nicht nur um die Kinder und Jugendlichen, die die digitalen Medien nutzen. Durch unsere zahlreichen Partner wie beispielsweise das Polizeipräsidium Dortmund, Einrichtungen der Erwachsenenbildung oder die Universitäten möchten wir auch Studierende, Eltern und Großeltern erreichen. Und natürlich auch Kinder im Vorschulalter. Denn ein verantwortungsbewusster Umgang mit digitalen Medien sollte auch schon vor der Schule Thema sein. 

Dortmund überrascht. Dich: Warum ist das "gute Aufwachsen" mit Medien so wichtig?

Dimitrios Karakatsanis: Wenn man durch die Dortmunder Innenstadt läuft, sieht man kaum einen Jugendlichen ohne Smartphone. Junge Menschen nutzen täglich in einem sehr hohen Ausmaß digitale Medien. Insbesondere die Sozialen Medien spielen bei jungen Menschen eine große Rolle, das geht schon in der Grundschule los. Und selbst kleine Kinder werden immer häufiger mit dem Smartphone konfrontiert. Wir haben festgestellt, dass Verbote und auch der Jugendmedienschutz an diesen Stellen nicht ausreichend greifen, und daher müssen wir viel mehr Arbeit in die Prävention stecken. Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen zu erklären, wie sie sich in den Sozialen Medien sicher und verantwortungsbewusst verhalten können. Damit sie auf der „digitalen Datenautobahn“, die sich immer schneller bewegt, sicher fahren können. Und nicht überfahren werden.

Dortmund überrascht. Dich: Was steht im Mittelpunkt des Fachtages "Lesen - Sprechen - Digitale Medien. Kinder und Jugendliche im digitalen Zeitalter"?

Dimitrios Karakatsanis: Auf dem Fachtag stehen vier Schlüsselkompetenzen im Vordergrund. Es gibt die bekannten drei Schlüsselkompetenzen: Lesen, Sprechen, Rechnen. Aber es gibt auch noch eine vierte Schlüsselkompetenz: der vernünftige Umgang mit den digitalen Medien. Um mit Medien kompetent umgehen zu können, müssen die Nutzer eben auch wissen, wie sie kommunizieren. Denn digitale Medien schaffen zahlreiche Anlässe zur Kommunikation. Werden sie direkt für diese Zwecke eingesetzt, können sie die sprachliche Entwicklung und die Lesekompetenzen unterstützen. Im Mittelpunkt des Fachtages steht also das Zusammenspiel der Lese-, Sprach- und Medienkompetenz. Dafür gibt es zahlreiche Workshops, Vorträge und einen Markt der Möglichkeiten. 

Dortmund überrascht. Dich: Wie können wir als Medienkompetente Kinder für einen gesunden Umgang mit Medien unterstützen?

Dimitrios Karakatsanis: Wir können nicht nur mit mahnenden Worten und gesetzlichen Regelungen agieren. Wir müssen Kinder und Jugendliche mit Spiel und Spaß begleiten. Denn einen vernünftigen Umgang mit digitalen Medien lernt man nur durch Freude und nicht durch Zwang. Ein wichtiges Stichwort ist ‚Gamification‘, sprich: ernste Themen spielerisch umsetzen. So können sich Eltern gemeinsam mit den Kindern ein Tablet schnappen und zusammen spielen. Oder sich zeigen lassen, was die Kinder denn im Netz überhaupt so anstellen. Und darüber ins Gespräch kommen. Eltern, Angehörige und auch die Kinder und Jugendlichen selbst können immer auch bei uns oder den Mitgliedern von DoNeM Rat bekommen.

Plakat zum Fachtag "Lesen - Sprechen - Digitale Medien" ©Stadt Dortmund