Urbanes Zentrum

23.05.2016

Der Blick in die Glaskugel: Dortmund steht Kopf

Unsere Bloggerin "Fee ist mein Name" hat sich mit ihrem neuen Briefbeschwerer auf eine überraschende Fototour begeben

Ich habe mir einen Briefbeschwerer gekauft. Ich sah ihn, er war reduziert, und ich wusste: Ich muss ihn haben.

Das ist erst mal eine relativ unspektakuläre Feststellung, denn wahrscheinlich interessiert sich hier kaum jemand für meine Briefablage, geschweige denn dafür, wie ich sie beschwere. Fakt ist: Ich beschwere sie gar nicht. Niemals in meinem Leben verspürte ich das Bedürfnis, einen Briefbeschwerer zu besitzen und daran hat sich auch nichts geändert.


Was ich hingegen in letzter Zeit massiv verspürte, denn ich bin ein Lemming, war das Bedürfnis eine Glaskugel zu besitzen. Eine Glaskugel, wie ich sie in letzter Zeit überall gesehen hatte. Eine Glaskugel, um die Welt auf den Kopf zu stellen.

Eine Glaskugel zum Fotografieren.  Nun haben die Glaskugeln, die man überall zu diesem Berufe erwerben kann – im Fachjargon "Glaskugel in Fotografenqualität" genannt – einen entscheidenden Nachteil: Es handelt sich nämlich um Kugeln.

Und Kugeln haben die unangenehme Eigenschaft zu kugeln. Sprich: Sie rollen weg. Glatte Oberflächen, leichte Schrägen oder auch Wind, alles keine Freunde der Kugel. Vorausgesetzt man schafft es überhaupt, die Kugel in einer halbwegs stabilen Position zum Liegen zu bekommen – ich wette: just in dem Moment, in dem man das Motiv in der Kugel fokussiert hat, rollt sie davon. Und jetzt kommt mein Briefbeschwerer ins Spiel.

Auch er kommt als Glaskugel daher, genauso klar, genauso schlierenfrei, ohne Luftbläscheneinschluss, in der für mich perfekten Größe von 8cm Durchmesser bei einem Gewicht von knapp 700g. Und das Beste: Er ist unten abgeflacht. Ich kann ihn überall hinlegen und er rührt sich nicht vom Fleck.

Zu sagen, ich sei verliebt, wäre untertrieben. Neues Fotospielzeug ist ja für mich immer ein Grund, meinen Lieblingsorten in Dortmund einen Besuch abzustatten. Alte Perspektiven, bekommen so gesehen, einen ganz neuen Glanz. Da verhält es sich genau wie mit meinen Lomo-Kameras.

Dinge, die man ansonsten kaum mehr eines Blickes würdigt, weil sie einfach zum alltäglichen Stadtbild dazugehören, drängen sich plötzlich wieder in die Wahrnehmung und das persönliche Fotoalbum füllt sich mit Aufnahmen der eigenen Stadt. Meine Welt steht Kopf, sagen wir, und meinen damit, dass gerade alles durcheinander ist, man nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist, die Welt vermeintlich aus den Fugen gerät, dass das Chaos regiert. 


Dabei ist die Welt, wenn wir sie um 180° drehen, immer noch unsere Welt – wir betrachten sie nur aus einem anderen Blickwinkel.


Und vielleicht ist das manchmal auch gar nicht so schlecht.

Wir schauen genauer hin, erkennen Zusammenhänge und sind in der Lage, Dinge für uns zu ordnen und neu zu bewerten. Ob man dafür jetzt eine Glaskugel braucht, liegt vermutlich im Auge des Betrachters, aber schaden tut sie mit Sicherheit auch nicht. Pro-Tipp von mir: Glas bleibt Glas.


Deswegen gilt:
1) Habt immer ein Mikrofasertuch dabei, denn Fingerabdrücke sieht man. Mein Gegenlichtfoto vor Phoenix West mag als abschreckendes Mahnmal dienen ;)!

2) So eine Glaskugel ist ein 1A Brennglas. Sie entzündet trockenes Gras (vermutlich vieles andere auch) und schmerzt zudem höllisch, wenn man sie bei günstigem Sonnenstand zu lange in der Hand hält. Ich dachte beim ersten Mal ernsthaft, mich hätte eine Wespe gestochen. Tja, so lernt man noch was über Physik.


Wenn Ihr das nächste Mal einen gläsernen Briefbeschwerer seht, denkt an mich: In seiner eigentlichen Funktion mag er für manche den Charme einer gehäkelten Klopapierabdeckung besitzen, aber etwas kreativer betrachtet, lädt er zu einer Reise durch die eigene Stadt  ein.Wer sich nicht zu schade ist, den anderthalb Pfund schweren Briefbeschwerer dauerhaft durch die Gegend zu tragen, entdeckt damit vielleicht sogar die Welt. Etwas kopflastiger vielleicht, aber dadurch viel intensiver. 


"Fee ist mein Name" und so heißt auch mein Blog, auf dem ich über alles schreibe, was mich glücklich macht. Und das ist eine ganze Menge: DIYs & Reiseberichte, Musik, Rezepte & Lomografie. Außerdem zelebriere ich immer wieder meine Zuneigung zum Ruhrpott und speziell zu Dortmund.
Der verbindende rote Faden ist schließlich meine Liebe zum Schreiben und Fotografieren mit der meine Posts erst an Form gewinnen. Mein Ziel: Etwas von meiner Freude überspringen zu lassen. Auf meinem Blog und nun auch hier.

Bloggerin und leidenschaftliche Fotografin: Fee-Jasmin Rompza

Fee ist mein Name

Alle zwei Wochen schreiben hier ganz unterschiedliche Dortmunder Blogger in einem Gastbeitrag über "ihr" überraschendes Dortmund.
Mit dabei sind die Blogger von Dortmunderisch, Fee ist mein Name, Zwillingsnaht und Nordstadtblogger.