Tourismus / Freizeit

24.01.2017

Mehr als nur ein Schrottplatz

In der Nordstadt entsteht eine außergewöhnliche Veranstaltungshalle: Ein alter "Junkyard" wird so umgebaut, dass er demnächst als Konzert-, Szene-, und Event-Location genutzt werden kann. Was das genau heißt, erklärt euch Alex Völkel von den nordstadtbloggern.

Kann man eine Kultureinrichtung "Junkyard" – also "Schrottplatz" – nennen? Überraschung: Man kann. Vor allem, wenn sie mal einer war – und auch optisch bleiben soll. In der Nordstadt  – an der Ecke Schlägel- und Bornstraße – entsteht eine neue Veranstaltungshalle. Am 4. Februar ist Eröffnung. 

"Home of Freaks"

Vor allem auch das Außengelände hat es in sich. Im August 2016 gab es dort mit dem "Junkyard Open Air" einen Vorgeschmack auf kommende Ereignisse. Bands aus den USA, Dänemark und Deutschland spielten - die Freiluftveranstaltung war ausverkauft. Damals brauchten die Gäste noch viel Phantasie, um sich die neue Kultur-, Freizeit- und Event-Halle vorzustellen. Denn sie hatten zum unfertigen Herzstück des "Junkyard" noch keinen Zutritt. Im Januar 2017 sieht das schon anders aus:

Die neue Indoor-Location ist nahezu fertig. Dafür haben sie ein Jahr lang die Ärmel hochgekrempelt und in unzähligen Stunden Eigenarbeit haben Unterstützer, Familie und Freunde der neuen und privat organisierten Initiative „Home of Freaks“ große Teile des 2000 Quadratmeter Schrottplatzes freigeräumt, um die ehemalige Bereitstellungs- und Werkstatthalle für Konzerte und Veranstaltungen herzurichten

400.000 Euro investiert

Rund 400.000 Euro werden sie hier aus privatem Geld in der Nordstadt investieren - ganz abgesehen von viel „Blut, Schweiß und Tränen“. In den ersten Wochen mussten sie sich vor allem durch Tonnen von Müll, Schrott und anderen Hinterlassenschaften des Geländes wühlen. Einen funktionierenden Abschleppwagen und einen Schrottplatzhund haben sie übernommen. 

Die meisten der Autowracks wurden abtransportiert – nur einige haben sie aus Dekozwecken behalten. Das gilt auch für viele andere Hinterlassenschaften und auch unzählige Reifen, die bei der Neugestaltung verarbeitet werden. Es war eine herausfordernde Aufgabe für Architekt und Statiker.

Doch die Ursprünge der Industriekultur sollten auf jeden Fall erhalten bleiben. Zentrales Element im Inneren der Halle ist ein 12 Meter lange Überseecontainer, der zum Thekenbereich umgebaut wurde.


Vielfältige Nutzungen

Durch lokale Künstlerinnen und Künstler soll hier ein dreidimensional gestaltetes Kunstwerk entstehen, das den Rahmen für ein vielseitiges, kulturell genutztes Veranstaltungsgelände bildet. 

Umgeben war bzw. ist das Areal von einer hohen lückenhaften Backsteinmauer. Diese mussten sie komplettieren und ergänzen. Denn sie bildet das tragende Gerüst für die Halle. Ergänzt mit Natursandsteinen ist so eine geschlossene und gut schallisolierte Event-Location entstanden. An den ungewöhnlichsten Stellen wurden auch die Reifen verbaut: Als  Wanddekoration, Sitzmöbel, Thekenunterbau und als Waschbecken-Ständer dienen sie jetzt. 

Bei allen Mühen: Das Glück ist manchmal mit den Tüchtigen. Nachdem auf dem Gelände der ehemaligen Schnapsbrennerei Schulte Rauxel eine 20 Meter lange Backsteinmauer umgefallen ist, konnten sie die Steine kostenlos abholen.

"Das war ein Kultursponsoring", sagt Chris Brosky, einer der Macher, lachend. Denn lange hatten sie nach solchen Steinen gesucht – sie entsprachen ihrer lückenhaften Mauer in Dortmund. Aber bei "Ebay" gebe es diese zumeist nur unter der Rubrik "Suche" – nicht "Biete".

Freiluft-Skatepark geplant

Während in der Halle vor allem Konzerte, aber auch Lesungen, Vorträge und Poetry-Slams stattfinden werden, soll der Vorplatz Raum für einen attraktiv gestalteten Skatepark mit ausreichend Möglichkeiten zu Sport und Konversation bieten. Dieser wird in einem zweiten Schritt entstehen, nachdem die 300 Quadratmeter große Halle endlich in Betrieb gegangen ist. 

Dort sollen in Zusammenarbeit mit verschiedenen überregional tätigen Organisationen zahlreiche Workshops stattfinden und ein für Jugendliche und junge Erwachsene aus jeder sozialen Schicht attraktives, beaufsichtigtes Freizeitprogramm entstehen. Hierbei ist eine Zusammenarbeit mit dem Jugendamt erwünscht, macht Chris Brosky deutlich. "Es ist uns ein Anliegen, eine Anlaufstelle für Kulturinteressierte verschiedener Couleur aus Dortmund und Umgebung zu schaffen", erklären die Macher. 

Halle für bis zu 300 Gäste

Doch braucht Dortmund überhaupt einen solchen Standort? "Ja" lautet die klare Botschaft der Freaks. Die Stadt verfügt zwar über unzählige Proberäume, in denen die unterschiedlichsten Künstler an Ihren Projekten arbeiten. Auch für die freie Musikwirtschaft ist Dortmund ein wesentlicher Standort.

 

"Deren Künstlerinnen und Künstler fallen wie viele andere genau in die von uns gewünschte Größenordnung von 300 Besucherinnen und Besuchern. Bisher haben sie jedoch in Dortmund kaum Auftrittsmöglichkeiten", erklärt Brosky. "Veranstalter sind häufig gezwungen, auf andere Ruhrgebietsstädte auszuweichen."


Buch-Event mit Sascha Bisley

"Die bestehenden Räumlichkeiten und Veranstaltungszentren sind schlichtweg für unser Programm nicht geeignet", erklärt Brosky.

Entweder übersteigen die Kosten für die Logistik der größeren Örtlichkeiten die Kosten für eine realistische und wirtschaftliche Durchführbarkeit mittelgroßer Künstler-Darbietungen, oder sie sind schlichtweg zu klein. Diese Lücke soll der "Junkyard" schließen.

Viel Rückendeckung bekommt er von Freunden des "Home of Freaks"-Netzwerks: "Genau das hat Dortmund gefehlt", kommentiert der Dortmunder Autor Sascha Bisley. Deshalb wird er auch hier am 18. Februar sein zweites Buch "Bisleyland" vorstellen - mit Party, Ausstellung und allem was dazu gehört.  

Infos

Die ersten Termine:

04.02.2017 – Offizielle Eröffnung

10.02.2017 – Busy Signal and The Fire Works Band
17.02.2017 – Harris (Genre: Hip Hop)

18.02.2017 – Sascha Bisley

25.02.2017 – Jake the Ripper (Genre: Techno)

25.03.2017 – Roosevelt