Sascha Bisley

Sascha Bisley: "Zurück aus der Hölle".
Vom  Gewalttäter zum Sozialarbeiter

Mit 19 verletzte er im Gewalt- und Alkoholrausch einen Obdachlosen so schwer, dass dieser an den Spätfolgen starb. Sein Schicksal brachte Sascha Bisley in den Knast. Ein Wendepunkt im Leben des heute 44-jährigen. Der Knast krempelte den notorischen Gewalttäter um. Im Auftrag von Jugendämtern gibt er seitdem Kurse zu Gewaltprävention in Schulen und Gefängnissen. Sein Buch „Zurück aus der Hölle“ erzählt schonungslos und direkt von seinem Leben und seinem Weg zurück in die Gesellschaft. Ein krasser Bericht über menschliche Abgründe – und den Versuch, Abbitte für eine große Schuld zu leisten.

Auf diesem schwierigen Weg ließ er seine ehemalige Heimat, das Sauerland, hinter sich. Und beschreibt sich selbst mittlerweile als Dortmunder Jung‘. „Aufgewachsen bin ich im Sauerland, meine Kindheit und Jugend habe ich dort verbracht. Als ich mich dazu entschloss wegzuziehen, fiel die Wahl schnell auf Dortmund“, verrät er. 

Den Strukturwandel hat er dabei hautnah miterlebt. „War Dortmund früher noch die Einkaufs- und Feierstadt für mich als Sauerländer, so wurde sie schnell zu meiner neuen Heimat, in der mich nicht nur zurecht sondern auch zuhause fühlte. Anfänglich gefiel mir die Mischung aus leichtem Großstadtflair und der fast dörflichen Intimität, wenn man sich erstmal eingelebt hatte. Ich merkte jedoch schnell, dass Dortmund viel mehr für mich wurde."

In seiner Wahlheimat betätigt sich das Multitalent als Fotograf, Filmemacher, Autor, Anti-Gewalt-Trainer, Künstler, macht alles und kann laut seiner Aussage nix so richtig! Mittlerweile lebt, liebt, arbeitet und produziert er schon seit 2004 in der ehemaligen Kohle,- Bier- und Stahlmetropole. „In Dortmund kann ich mich kreativ entfalten, schreiben, fotografieren und in das Nachtleben eintauchen, ohne die Hundespaziergänge im
Grünen, die Kanalsaison im Sommer und die Museumsbesuche und Ausstellungen zu vernachlässigen.“ 

Diese Mischung aus familiärer Nähe und der Möglichkeit der anonymen Zurückgezogenheit  - so bekennt er - fessele ihn und lasse ihn seitdem nicht mehr los. „Durch meine Arbeit verbringe ich viel Zeit in Großstädten, aber das Lächeln auf meinem Gesicht ist am Größten, wenn ich nach Dortmund zurückkomme und wenn am Horizont der Florianturm auftaucht.“

In seiner neuen Nachbarschaft in der Dortmunder Nordstadt fühlt sich Bisley aber besonders wohl. „Hier kenne ich meine Nachbarn, man steht zusammen an der Bude, ruft sich vom Fenster aus Fußball-ergebnisse zu und sitzt bei einem der lokalen Biere zusammen im Nordmarkt und überwindet wirklich und ehrlich Barrieren von Herkunft und Religion." Mehr als selbst-verständlich fällt daher auch sein Fazit über seine Heimatstadt aus. "Ich fühle mich hier wohl und ich lebe gerne hier. Dortmund ist mein Zuhause und Dortmund überrascht mich - immer wieder.“


Bisleys Blog dortmund-diary entstand aus einer Laune. Die Texte, die durchaus zwischen total asozial und erschreckend eloquent angesiedelt sind, begeistern seit Anfang 2013 auch die Leser des „Ruhrbarone-Magazins“, bei dem Bisley redaktionell tätig ist und veröffentlicht. Mit dem Herausgeber David Schraven gründete Bisley 2013 die neue Schreibschule und Guerillaliteratengang „S.Q.u.A.T.“. Bisley ist zudem im Bookzine von „CORRECT!V“ in Berlin als Autor vertreten. Ferner schreibt er Drehbücher und Theaterstücke für verschiedene Bühnen und Produzenten, u.a. für das Schauspielhaus Dortmund.

 
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