Faust II – Gesamtkunstwerk mit politischem Hintergrund

Faust II

"Es war ein ganz besonderes Ballett-Erlebnis." – So bescheiden wie sich hier Ars Tremonia, das Kunst- und Kulturforum in Dortmund, zur Weltpremiere von Faust II äußerte, kommentieren überregionale und regionale Medien die Premiere vom 29. Oktober im Opernhaus nicht.

Superlative machen die Runde. Wen wundert’s? Wendete sich Dortmunds Ballettdirektor Xin Peng Wang als erster Choreograph weltweit in einem Gesamtkunstwerk aus Tanz, Licht und Musik der Tragödie zweiter Teil zu. 


Die Deutsche Bühne schreibt: "Zuletzt haben sich an den deutschen Stadttheatern wenige Choreographen diesen brisanten politischen Themen gewidmet und dabei obendrein so eindrückliche Wege gefunden, auf der Bühne mit ihnen umzugehen."

Xin Peng Wang hatte zuvor in einem Interview erklärt: "Mein neues Ballett wurde entworfen und entwickelt in einer Zeit des weltweiten Umbruchs. Flüchtlingsströme drängen nach Europa. Das Abendland, dessen Wertekanon Johann Wolfgang von Goethe entscheidend geprägt hat, steht auf dem Prüfstand. Sind seine Bewohner gewillt, Überlebensräume für die Schutzsuchenden zu schaffen?"

"Faust II", befindet der Westfälische Anzeiger, "ist ein dichter, anspielungsreicher Tanzabend, der eine atemberaubend genaue Balance findet zwischen politischer Haltung und künstlerischem Ausdruck."

Die Ruhr Nachrichten sehen in "Faust II – Erlösung" ein Meisterwerk – absolut faszinierend. "Dieses Ballett gehört zum Besten, was in Dortmund in Wangs Ära bislang zu sehen war. Unbedingt hingehen!"

Das berauschende Tanzerlebnis ist sicherlich auch den beiden Weltstars Lucia Lacarra und Marlon Dino als Faust und schöne Helena zu verdanken. "Das neue Traumpaar ist ein Glücksfall für Dortmund", versichert die WAZ. "Die Primaballerina assoluta aus dem Bilderbuch tanzt, gleitet oder schwebt in güldenem Helena-Trikot mit so viel Stil, Technik, Allüre und magischer Ausstrahlung, wie man es sonst nur in New York, Petersburg, Paris oder Tokyo erleben kann. Zudem ist Marlon, ein Danseur noble und idealer Prinz und Pas-de-deux-Partner für Lucia, ein Tänzer mit klassischen Linien und apollinischem Körper."

Der Westfälische Anzeiger schwärmt: "Dino, mit seiner hochgewachsenen Statur und den gemeißelten Muskeln wie eine Statue ins Licht gestellt, trägt die zarte Lacarra, als habe sie nie etwas anderes getan, als Luft zu küssen. Das Paar bringt kühlen Glamour in die Produktion. Beide tragen Gold, wie nicht von dieser Welt. Wang lässt Lacarra in Pose wie von einer griechischen Vase kopiert über die Bühne schreiten, als Verweis auf unsere so viel zitierte abendländische Kultur." Ruhm und Ehre gebühren allerdings auch Dann Wilkinson erneut als Mephisto, Giacomo Altovino als Homunculus und natürlich der gesamten Compagnie.

Mephisto

"Spektakulär", so ist es im Tanznetz zu lesen, "ist die Raumgestaltung. Installationen mit Neonröhren des chinesischen Lichtkünstlers Li Hui werden ergänzt durch das Lichtdesign von Ralph Jürgens und Tobias Ehinger - faszinierende Architektur aus farbigem Licht, Schatten, Dunst und Nebel, wogendem Meer." 

Der Schlussakkord gehört der Recklinghäuser Zeitung: "Choreograf Xin Peng Wang erspart sich und dem Publikum, allzu sehr auf die verwinkelten Details des Fünfakters von Goethe einzugehen und sich in trügerischen kosmischen Paradiesen zu verlieren. Die Zeitreise durch die Epochen erdet er durch das große


Thema unserer Zeit: die Flüchtlingsdramatik. Mit ihr sieht sich der alternde Faust als Weltverbesserer konfrontiert. Die bestürzenden Bilder, die der Ballettchef mit seiner erstklassigen Compagnie für den Tod durch Ertrinken vor der Festung Europa findet, gehen unter die Haut."

Text und Fotos: Thomas Kampmann