Wohnen / Ökologie

14.12.2015

Ein Plädoyer für Parks im Winter (im Allgemeinen und für den Westfalenpark im Speziellen)

Folgt unserer Bloggerin "Fee ist mein Name" bei ihren Spaziergängen durch Dortmunds winterliche Parks.

Parks haben ja irgendwie ein Imageproblem. Jetzt nicht grundsätzlich, eher saisonal. Während sie im Sommer regelmäßig überrannt werden, kann man die Besucher im Winter an einer Hand abzählen. Mal abgesehen von den paar Joggern, die auch noch bei Eis und Schnee unverdrossen ihre Runden drehen, und den Hundebesitzern, die weniger aus Spaß an der Freude als aus Notwendigkeit unterwegs sind, verlaufen sich in der Regel nur wenig Hartgesottene in die öffentlichen Grünanlagen, sobald die letzten Blätter von den Bäumen gesegelt sind. Und ich prangere das an.


Ich bin der Meinung:

Parks haben unsere Liebe ganzjährig verdient.

Unseren Liebsten sagen wir ja auch nicht Lebewohl, sobald die Haare grau und später weniger werden und die Haut faltiger. Oder zumindest verurteilen wir all jene, die ihre zwischenmenschlichen Beziehungen auf solchen Oberflächlichkeiten aufbauen. Wieso legen wir bei Parks andere Werte an? Eben.

Dabei gibt es so viele gute Gründe, auch bei Temperaturen unter 10°C (ich weiß: arktisch) nicht nur bis zum nächsten Supermarkt zu laufen (wenn überhaupt), sondern die Schuhe anzulassen und im gleichen Schwung eine Runde durch die benachbarten Grünanalagen zu drehen.


Bei mir (und der geneigte Leser weiß um diesen Umstand) ist der Park der Wahl (oder auch des Herzens) der Westfalenpark. Was einerseits daran liegt, dass ich nur aus der Haustür zu fallen brauche und in fünf Minuten da bin (ich nenne ihn nicht umsonst „meinen erweiterten Vorgarten“), andererseits aber vor allem daran, dass ich quasi dort aufgewachsen bin. Wer sich an meinen „Phoenix West“-Post erinnert: Dort verortete ich das Wohnhaus meiner frühen Kindheit als „ziemlich genau zwischen Phoenix West und Phoenix Ost“.
Was ich dabei nicht erwähnte:

Die dritte, wichtige Hauptkoordinate meiner kindlichen Weltwahrnehmung war der Westfalenpark. 

Einmal an der Emscher entlang (die damals noch kein hübsches, klares Bächlein, sondern eine stinkende, einbetonierte Kloake war) und wenige Minuten später schoben meine Mutter und ich uns durch das Drehtor am südöstlichen Ende des Robinson-Spielplatzes. Gefühlt die Hälfte aller Fotos meiner ersten drei Lebensjahre ist dort entstanden. Und zwar (und das ist wichtig) nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter.

Nur zu gerne hätte ich Euch als Beweis das Foto gezeigt, auf dem ich (noch keine zwei Jahre alt) auf den alten Holzbänken der Seebühne sitze, warm verpackt in einer Miniatur-Michelin-Männchen-Daunenjacke, auf dem Kopf eine Mütze mit einer Quaste statt Bommel und im Gesicht das fetteste Grinsen aller Zeiten. Nun ja, es sind Menschen darauf, von denen ich keine Ahnung habe, welche Rolle sie mal in meinem Leben spielten, aber ihre Persönlichkeitsrechte will ich trotzdem nicht verletzen.

Also müsst Ihr mir glauben:

Ich fand den Westfalenpark schon immer toll. Sommers wie winters. Und das seit mittlerweile fast 35 Jahren.

Welchen Park Ihr für Euren winterlichen Spaziergang wählt, ist jedoch relativ schnuppe. Denn die grundlegenden Prinzipien sind überall dieselben, von denen ich Euch nun ein paar der Wichtigsten ans Herz legen möchte. Und ich habe fotografische Beweise für meine Thesen mitgebracht. Natürlich.

Ich nehme an, Ihr habt nichts anderes erwartet.

1) Alles „schee“ macht der Schnee

Okay, dass alles hübsch ist, wenn dicker, pudriger Schnee darauf gefallen ist, ist vielleicht keine besonders große Überraschung. Vermutlich sind solche Tage auch die einzigen, an denen die Parks trotz des jahreszeitlichen Stigmas ein Besucherhoch verzeichnen dürfen.Der Vollständigkeit halber möchte ich den Punkt trotzdem aufführen, schließlich soll es immer noch Leute geben, die Schnee doof finden.

Das sind aber vermutlich nur all jene, die mit Schnee bloß matschig-braune Berge am Straßenrand und Verkehrschaos verbinden, weil der Winter mal wieder so überraschend kam und die Hälfte der Mitmenschen immer noch keine Winterreifen aufgezogen hat.

Das sind aber vermutlich nur all jene, die mit Schnee bloß matschig-braune Berge am Straßenrand und Verkehrschaos verbinden, weil der Winter mal wieder so überraschend kam und die Hälfte der Mitmenschen immer noch keine Winterreifen aufgezogen hat.

Aber sie haben Unrecht, denn das Winterparadies ist real: In unseren Parks.

Und da ist es dann auch egal, wenn der Himmel eine weißlich-graue Suppe zum Besten gibt. Passt ja schließlich zum Rest. Mal schauen, ob wir diesen Winter noch mit Schnee beglückt werden…

2) Eng verwandt und doch ein eigenes Phänomen: Frost

Während Spazierengehen im frischen Schnee dumpfe, wolkige Geräusche erzeugt, führt das Laufen über einen gefrorenen Parkboden zu fröhlich knisternden und knackenden Lauten.


3) Kaum da, schon wieder weg

Nun ja, ich erwähnte es schon: Die Sonne. Und selbst wenn sie nicht herauskommt: In unseren pottschen Breiten halten sich Eis und Schnee in der Regel nur für einen begrenzten Zeitraum. Da kann man jetzt weinen und sein Leid klagen oder aber man schwingt die Hufe und erwischt die Reste. Tropfende Eisklumpen oder auch nur noch Tropfen – auch sie können sehr hübsch sein. Und in so einem einzelnen Tropfen wiederum können sich ganze Welten verbergen. Wenn auch kopfüber.


4) Die Schönheit liegt im Detail

Auf den ersten Blick wirkt so ein winterlicher Park (sofern gerade kein Schnee liegt und auch kein Frost das detailsuchende Auge erfreut) häufig relativ trostlos. Ich gebe es ja zu. Wenn man dann nicht gerade im Geiste mit Edgar Allen Poe verbandelt ist und das Morbide oder eine grundsätzlich düster-romantische Atmosphäre schätzt, wirkt so ein Spaziergang im ersten Moment wenig reizvoll.


Das liegt aber nur daran, dass man den Blick auf das Ganze richtet und den Reiz der kleinen Dinge übersieht. Dabei drängen sie sich im Winter sogar noch mehr in den Fokus als im üppigen Frühling oder Sommer, wo das Auge vor lauter Überfluss gar nicht weiß, wo es zuerst hinschauen soll. Was ich also das ganze Jahr über predige, gilt im Winter besonders:

Wer einen Blick für Details entwickelt, weiß die Schönheit der Natur (oder seiner Umwelt an sich) erst richtig zu schätzen.

Dabei gilt:

Je kleiner und unscheinbarer, desto erstaunlicher.


Probiert es aus.

5) Winterlicht macht die schönsten Farben

Wenn im Winter mal die Sonne herauskommt, sind die Farben zwar reduzierter als im Sommer, aber dafür extraschön. Die Natur hat sich dafür einen perfekten Komplementärkontrast überlegt: Klirrendes Eisblau tagsüber trifft warm-goldenes Orangebraun zum Sonnenuntergang.

Und besonders letzteres entwickelt eine Magie und Strahlkraft, bei der der Sommer aber sowas von das Nachsehen hat. Ich könnte jetzt eine physikalische Erklärung bemühen, die mit der tieferstehenden Sonne zu tun hat, aber ich erspare uns allen dieses kleine Referat.

Fakt ist: Schöööön.

6) Spezialfall Westfalenpark: Das Winterleuchten

Eine ganz besondere Form des Winterleuchtens (ganz unabhängig vom Sonnenstand) hat schon seit einigen Jahren Dezember um Dezember der Westfalenpark im Programm. Für alle, denen dringend mal wieder heimgeleuchtet werden muss, installiert world-of-lights nun schon seit einem Jahrzehnt wechselnde Lichtinstallationen im Park, die täglich ab 17 Uhr bestaunt werden können und das in diesem Winter sogar bis zum 16. Januar.

Da spielt dann auch das Wetter keine Rolle mehr. Zumindest so lange es nicht stürmt. Wobei das Spektakel im Schnee natürlich noch schöner ist. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und wie Ihr seht: Auch ohne kann sich das Winterleuchten sehen lassen.

So, wer jetzt nicht überzeugt ist, dem ist definitiv nicht mehr zu helfen. Der findet wahrscheinlich auch Rentierbabys, „Tatsächlich Liebe“ (anderen Lieblings-Weihnachtsfilm hier einsetzen) und selbstgebackene Plätzchen doof.

Und auf so ein Niveau lasse ich mich nicht herab ;)! In diesem Sinne: Einen schönen Winter(-spaziergang) wünsche ich. Und bringt mir ein paar hübsche Fotos mit.

Info: Der Eintritt in den Westfalenpark während des Winterleuchtens beträgt 6€ für Erwachsene, 2€ für Kinder zwischen 6-11 Jahren und alle Kinder bis 6 Jahre erfreuen sich gratis. Jahreskarteninhaber besuchen den Park sowieso wie immer kostenlos. Nach Ende des Winterleuchtens gelten wieder die Winterpreise mit 1,50€ pro Einzelperson.

"Fee ist mein Name" und so heißt auch mein Blog, auf dem ich über alles schreibe, was mich glücklich macht. Und das ist eine ganze Menge: DIYs & Reiseberichte, Musik, Rezepte & Lomografie. Außerdem zelebriere ich immer wieder meine Zuneigung zum Ruhrpott und speziell zu Dortmund.
Der verbindende rote Faden ist schließlich meine Liebe zum Schreiben und Fotografieren mit der meine Posts erst an Form gewinnen. Mein Ziel: Etwas von meiner Freude überspringen zu lassen. Auf meinem Blog und nun auch hier.

Bloggerin und leidenschaftliche Fotografin: Fee-Jasmin Rompza

Fee ist mein Name

Alle zwei Wochen schreiben hier ganz unterschiedliche Dortmunder Blogger in einem Gastbeitrag über "ihr" überraschendes Dortmund.
Mit dabei sind die Blogger von Dortmunderisch, Fee ist mein Name, Zwillingsnaht und Nordstadtblogger.